Michael Quetting
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update 05.02.2017

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Die aktuelle Kolumne in der ver.di-Zeitung DREI.60:

Ganz vorn:

Postfaktisch. Zum Unwort des Jahres wurde es bestimmt. So teilt die Gesellschaft für deutsche Sprache mit. Auch die Kanzlerin hat es in ihrer Selbstkritik gebraucht.

Wörtlich höre ich »nach-faktisch« oder »hinter den Fakten«, also »im eigentlichen Sinne«. Aber das meint es nicht. Das Adjektiv meint, dass es heute im gesellschaftlichen Diskurs zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten gehe. Fake-News sind der neue Trend. Jede und jeder meint, der andere sei postfaktisch. Dann hat der die Wahrheit gepachtet, der besonders clever in Facebook liken kann.

Und, wie ist das bei uns? Wie hält es ver.di mit Fakten und Gefühlen?

Nehmen wir zum Beispiel die Situation in den Krankenhäusern. Wir haben die Fakten auf den Tisch gelegt. Es fehlt an Personal, an Anerkennung und Wertschätzung. Wir haben Zahlen genannt, zum Beispiel, wie viele Stellen fehlen, wie viele Patient/innen hier im Gegensatz zur sonstigen Welt eine Pflegekraft versorgen muss. Und wir haben Alternativen genannt, gesetzliche Personalbemessung als Lösung eingebracht.

Und unsere Gefühle? Der Gesetzgeber hat das System erfunden, das uns in die Knie zwingt. Die Arbeitgeber meinen, wir sollten uns besser organisieren. Die Politiker sagen in Wahlkämpfen, dass wir tolle Arbeit machen würden, aber ändern wolle man nichts. Wir wissen, dass wir nicht so arbeiten können, wie wir wollen. Und sehen, wie Patient/innen ungenügend versorgt werden. ver.di macht Druck: Aufstehn für die Pflege.

Fakten und Gefühle fallen in dieser Gesellschaft offensichtlich ganz unterschiedlich aus. Wir »hier unten« trauen »denen da oben« nicht. Jene biegen sich ihre Wahrheit zurecht. Manchmal haben wir dies nur im Gefühl, unsere Fakten nehmen die ja gar nicht zur Kenntnis.

Erkennen wir unsere Lage, dann werden uns auch keine demagogischen Führer verführen. Um erkennen zu können, bedarf es einer solidarischen Organisation, die uns stark macht, die unsere Fakten analysiert und unsere Gefühle kennt. Damit wird nicht alles toll, aber ohne sie erreichen wir nichts.

Und deswegen sollte ver.di den Begriff postfaktisch nicht nur zur Beschreibung aktueller gesellschaftlicher Erscheinungen benutzen, sondern als Handlungsaufforderung verstehen. Unsere Fakten und Gefühle sprechen für unser Handeln. »Ein jeder leidet, der nicht für sich selbst handelt. Man handele für andere, um mit ihnen zu genießen«, meinte der olle Goethe und dem schließe ich mich gerne an,

vermerkt euer Michael Quetting  

 

 

drei – ist die Zeitung des Fachbereichs 3 – erscheint in einer Auflage von ca. 380.000 für die Mitglieder im Bereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen als Beilage zur ver.di-PUBLIK viermal jährlich. "Ganz vorn" heißt dort die Kolumne auf Seite 1, ihr findet sie links vorne: https://drei.verdi.de/


Michael Quetting, St. Ingbert | Michael@Quetting.eu